Bewohner*innen, Beschäftigte aus den Werkstätten für Menschen mit Beeinträchtigung, Mitarbeitende und Interessierte waren gekommen, um sich mithilfe von Pinsel und Stift mit dem Damals und dem Heute auseinander zu setzen. Fritz Molitor und Jakub Niewiadomski, den alle nur ‘Kuba’ nennen, malten gemeinsam: tiefschwarzer Untergrund, einen weißen Schriftzug “Vergiss mich nicht”, drei weiße Ausrufezeichen und ein strahlendes, pinkes Herz. Warum dieser Kontrast? Der Titel des Mahnmals im Hof der Stiftung Scheuern ist nicht sofort zu erfassen, wenn man dort steht, man muss sich mit den Inschriften beschäftigen. Deshalb, so erklärt Fritz, habe er ihn Weiß auf Schwarz aufgeschrieben und mit den Farben “die Traurigkeit transportieren wollen”. Gleichzeitig haben er und 'Kuba’ bewusst mit dem farbigen Herz “ein Gegenzeichen” gesetzt.
Ganz anders das Bild von Marie Luise Heimes und Albert Hamidov. Sie haben sich vorab Gedanken gemacht und Albert hilft Marie Luise, das Gedachte auf die Leinwand zu bringen. Es zeigt eine Wiese im Sonnenschein, darüber eine Taube... mit Blut an den Füßen und tief unten im Gras. “Heute sieht es so aus”, sagen die beiden und deuten auf die Sonne und die schöne Szenerie. “Aber früher war das”, so erläutern sie den Kontrast zu dem schwarz-roten Blutboden.
Lukas Lemke sieht Verbindungen zwischen der NS-Zeit und heute, die über sein ganz persönliches Bildmotiv weit hinausgehen. “Das Problem ist, dass immer nur ihre Meinung zählt. Es ist schlimm zu sehen, was einer anrichten kann”, sagt er mit Verweis auch aktuelle Weltpolitik und auf heutige Staatslenker, die die Kraft des Staates auf sich hin ausrichten. Wenn also einer oder eine Gruppe andere Menschen und deren Ansichten nicht als gleichbedeutend erachten.
Pfarrer Gerd Biesgen, theologischer Vorstand der Einrichtung, schloss den Gedenktag mit einer Andacht ab. Er ging dabei auf die entstandenen Bilder ein, die so vielfältig waren wie die Menschen, die bei der Kunst-gegen-das-Vergessen-Aktion mitgemacht hatten. Vielfalt zu schätzen und bewahren sei bleibende Aufgabe. Er zielt ab auf eine Inschrift des Mahnmals: “Im Jahr 2026 liegt darin ein Auftrag für uns Heutige: Nein, so Schreckliches soll im ganzen Leben keines Menschen wieder erlebt werden; und Ja: Wir wollen uns dafür heute nach unseren Kräften einsetzen. [...] Vor allem gilt es, entschieden Stimmen entgegenzutreten, die heute wieder so ähnlich klingen wie damals, die Hass und Hetze verbreiten, [...] die Menschen diskriminieren, herabwürdigen oder gar bösartig angreifen.”



