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Aktuelles

Stefan Clasani steht gehörlosen Menschen zur Seite


52-Jähriger unterstützt Besucher der EUTB-Beratungsstellen in Bad Ems und des CAP-Markts in Hillscheid als Gebärden-Dolmetscher.

„Es ist vielleicht ein bisschen eingerostet, aber auf jeden Fall im Blut drin“, sagt Stefan Clasani – und meint damit die Kunst des Gebärden-Dolmetschens. Denn in dieser Kunst ist er firm, auch wenn er niemals einen Kurs darin belegt, sondern sich das Gebärden-Dolmetschen frei nach der Methode „Learning by Doing“ angeeignet hat. „Durch Erkrankungen in der Kindheit bedingt, waren meine Eltern beide gehörlos“, erzählt der 52-Jährige, der im Neuwieder Stadtteil Heimbach-Weis aufgewachsen ist, und erinnert sich: „Ich war als Kind bei sämtlichen Gehörlosentreffen dabei und habe die Gebärdensprache förmlich aufgesogen.“ Mit zehn Jahren habe er sie so gut beherrscht, dass seine Gesprächspartner dachten, er sei selbst gehörlos. Und, was damals vor allem wichtig war: Für seine Eltern fungierte er auf diese Weise als Bindeglied zur nicht-gehörlosen Außenwelt.

Inzwischen ist das alles längst Vergangenheit. Warum es jetzt auf einmal trotzdem wieder wichtig wird? „Herr Röder ist auf mich zugekommen und hat gefragt, ob ich als Gebärden-Dolmetscher einspringen kann, wenn gehörlose Menschen die EUTB-Beratungsstelle in Bad Ems besuchen. Da musste ich nicht lange überlegen: Ich werde es auf jeden Fall machen. Und Herr Zils war freundlicherweise auch sofort damit einverstanden.“

Jetzt aber mal schön der Reihe nach. Oliver Zils ist der Marktleiter des CAP-Markts in Hillscheid, in dem Stefan Clasani seit März vergangenen Jahres arbeitet. Und letzteres hat einen ganz bestimmten Grund: Im November 2016 erlitt der gelernte Einzelhandelskaufmann zwei Schlaganfälle, „Seither bin ich nicht mehr so stressresistent und brauche mehr Ruhepausen“, sagt er. An seiner früheren Arbeitsstelle habe man darauf wenig Rücksicht genommen. Ganz anders im CAP-Markt, dessen Konzept darin besteht, dass Menschen mit und ohne Beeinträchtigung zusammenarbeiten. So auch im CAP-Markt in Hillscheid, der im August 2012 an den Start gegangen und seither nicht mehr aus dem Leben der Westerwaldgemeinde wegzudenken ist. „Natürlich wird man hier als Arbeitnehmer auch nicht in Watte gepackt, sondern muss Leistung bringen“, sagt Stefan Clasani, der mit Marktleiter Oliver Zils schon früher zusammengearbeitet hat. Aber, so betont er: „Die Arbeitsatmosphäre ist wesentlich familiärer.“ 

Gut, aber was hat das alles mit den EUTB-Beratungsstellen in Bad Ems zu tun? Ganz einfach: Sie befinden sich ebenso wie der Hillscheider CAP-Markt in Trägerschaft der Inklusa gGmbH – und arbeiten ebenso wie der CAP-Markt im Sinne von Menschen mit Beeinträchtigungen. Diesen Personenkreis berät das EUTB-Team kostenlos zu allen finanziellen Hilfeleistungen, die Menschen mit Behinderung in Anspruch nehmen können, aber auch zu zahlreichen weiteren Themen wie zum Beispiel Aspekten des Arbeits- und Berufslebens, Problemen, die die Wohnsituation betreffen, oder Fragen wie Tagesstrukturierung und Freizeitgestaltung. Jörg Röder leitet die EUTB-Beratungsstellen der Inklusa gGmbH – und weiß aus eigener Erfahrung, dass sich unter den Menschen, die dort Unterstützung suchen, immer wieder auch gehörlose Personen befinden. Logisch, dass er sofort hellhörig wurde, als er über Oliver Zils von Stefan Clasanis Fähigkeiten als Gebärdendolmetscher erfuhr.

Der erklärte sich, wie bereits erwähnt, sofort bereit – und wird nun also bei Bedarf nach Bad Ems kommen, um dort zu dolmetschen. Da das Ganze sozusagen „in der Familie“ bleibt, kann er dies während seiner Arbeitszeit tun und für die Fahrten von Hillscheid nach Bad Ems und zurück ein Firmenauto des CAP-Markts benutzen. Schließlich sollen ihm für seine Tätigkeit, die er zu 100 Prozent ehrenamtlich erbringt, nicht auch noch Kosten entstehen. Und: Stefan Clasani steht gehörlosen Menschen nach vorheriger Terminabsprache auch im Rahmen eines unterstützten Einkaufs im Hillscheider CAP-Markts gerne zur Verfügung. Er helfe gern, sagt Stefan Clasani und schickt hinterher: „Ein Stück weit sehe ich darin auch eine Möglichkeit, meinen verstorbenen Eltern etwas zurückzugeben.“

Kontakt
* EUTB-Beratungsstellen der Inklusa gGmbH, Schanzgraben 3, 56130 Bad Ems, Telefon 02603/931339-0, E-Mail info(at)inklusa.de

* CAP-Markt Hillscheid, Bahnhofstraße 40-42, 56204 Hillscheid, Telefon 02624/9493150, E-Mail cap(at)inklusa.de