Das Aufgabenspektrum ist dementsprechend vielfältig: Eine zentrale Rolle spielt die spezialisierte Beratung von Betroffenen, aber auch An- und Zugehörigen. Diesen Part übernimmt größtenteils Julia Tiwi-Feix, die, um nur ein paar Beispiele zu nennen, zu Fragen des Sozialrechts, Hilfs- und Entlastungsangeboten oder aber zum Thema „Wohnen für Menschen mit erworbener Hirnschädigung“ berät. „Das kann direkt nach dem schädigenden Ereignis, aber auch 20 Jahre später sein – etwa, wenn ein Betroffener feststellt, dass er unter Konzentrationsschwierigkeiten leidet“, stellt sie klar. Wichtig zu wissen: Nur selten findet die Beratung in den barrierefreien Räumlichkeiten im Neuzebachweg 4 in Nassau, sehr viel häufiger dagegen in Form einer aufsuchenden Hilfe statt: Julia Tiwi-Feix besucht die oftmals nicht mobilen Kunden zu Hause in ihrem persönlichen Umfeld. Auch die telefonische Beratung und die Beratung per Videochat nehmen breiten Raum ein. 98 Kontakte, darunter 45 Erstkontakte, mit Ratsuchenden habe man seit Anfang Oktober gehabt, erzählt Julia Tiwi-Feix im Januar, was die große Nachfrage zeigt.
„Über die spezialisierte Beratung hinaus ist es uns aber auch extrem wichtig, Menschen mit erworbener Hirnschädigung Angebote zur Selbsthilfe und gegenseitigen Begegnung zu unterbreiten. Auf diese Weise können sie die Erfahrung machen, dass sie mit ihrem Schicksal nicht allein sind“, sagt Julia Tiwi-Feix. Zu den Begegnungs- und Austauschangeboten gehören die NeuroRäume in Nassau und Koblenz, aber auch der Angehörigen-Treff in der BDH-Klinik in Vallendar. Für die Koordination dieser Gruppen ist, ebenso wie für die Organisation sämtlicher Angebote, schwerpunktmäßig Anne Ziegert zuständig.
Zudem leistet die Anlauf- und Beratungsstelle Netzwerkarbeit, wirkt beispielsweise beim Aufbau des Neuronetzwerks Nördliches Rheinland-Pfalz mit und vieles mehr. Die Ideen, wie man das Portfolio Schritt für Schritt erweitern könnte, gehen den beiden Kolleginnen noch lange nicht aus. „Unter anderem möchten wir perspektivisch Schulungen für Fachkräfte und Betroffene anbieten. Und würden gerne ein Netz von Ehrenamtlern aufbauen, die sich in die Betreuung von Menschen mit erworbener Hirnschädigung einbringen.“
All das ist für die Klienten kostenfrei. Fast überflüssig zu erwähnen, dass dies ohne die finanzielle Unterstützung der Aktion Mensch und der G.-und-I.-Leifheit-Stiftung kaum möglich wäre. „Sie fördern die Personalkosten und den Aufbau der Beratungsstelle.“ Und tragen so maßgeblich dazu bei, dass Menschen mit erworbener Hirnschädigung auch nach dem Krankenhausaufenthalt und der Phase der medizinischen Rehabilitation nicht allein gelassen werden
