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Kolleg*innen helfen im Quarantänefall auf den Wohngruppen aus


„Gott sei Dank haben wir Hilfe aus Nassau bekommen“, sagt Matina Dubsky: „Das war ein Segen!“ Denn im Wohnverbund Römerstraße in Nastätten, wo sie arbeitet, wurden ab Mitte Januar mehrere Bewohner und Mitarbeitende positiv auf das Coronavirus getestet.

Das bedeutete unter anderem: Quarantäne – für die Bewohner in ihren Appartements, für die infizierten Mitarbeitenden und ihre Kolleg*innen, die in den Tagen zuvor Kontakt mit ihnen gehabt hatten, zu Hause. Was die Arbeitsbelastung für diejenigen, die nicht in Quarantäne gingen, deutlich erhöhte: „Schließlich waren nur noch eine Hauswirtschaftskraft und ich im Dienst“, erinnert sich Matina Dubsky – und freute sich umso mehr über die Verstärkung von außen.

Rund 50 Mitarbeitende aus anderen Arbeitsbereichen der Stiftung Scheuern hatten sich bereit erklärt, im Quarantänefall auf den Wohngruppen auszuhelfen. Eine von ihnen ist Isabel Schusky. Sie fing Mitte Januar in der Römerstraße an, wo rund ein Monat später, nach nur wenigen quarantänefreien Tagen, erneut ein Bewohner positiv getestet wurde. Warum sie sich gemeldet hat? „Mir geht es um die gegenseitige Unterstützung und darum, gemeinsam eine Krise zu bewältigen“, antwortet sie. Natürlich sei es sehr anstrengend, jedes Mal, wenn man einem Bewohner beispielsweise Essen oder Medikamente bringt, in der vor seinem Wohnbereich eingerichteten Schleuse die Schutzkleidung an- und bei Verlassen wieder auszuziehen: „Aber genau das trägt auch dazu bei, dass ich mich hier sehr geschützt fühle“, sagt Isabel Schusky, die normalerweise als Pflegefachkraft in den Außenwohngruppen in Nassau arbeitet.

Während sie „nur“ innerhalb ihres Berufs den Standort wechselte, war für Patricia Dinse auch die Tätigkeit komplett neu. „Dass es vier infizierte Bewohner und sehr wenig Personal gab, empfand ich als belastend“, berichtet die Personalmanagement-Mitarbeiterin, die eine Woche lang in der Römerstraße aushalf. „Aber es war auch eine sehr herzliche Zeit. Die Bewohner waren sehr lieb und dankbar und haben mir den Aufenthalt versüßt.“ Zugleich habe sie miterlebt, dass die Bewohner die Situation rund um die Corona-Pandemie nicht immer nachvollziehen konnten: „Einer von ihnen hat mich zum Beispiel tagtäglich gefragt, ob er denn jetzt sein ganzes Leben lang auf dem Zimmer bleiben müsse.“  Ob sie es noch einmal machen würde? „Wahrscheinlich schon“, antwortet sie. „Als Mitarbeiterin des Personalmanagements weiß ich schließlich, dass die Wohngruppen besonders in Ausnahmesituationen wie dieser personelle Verstärkung gut gebrauchen können.“ Eine wertvolle Unterstützung: Bei Fragen konnten sich die „Aushilfen“ jederzeit an Einrichtungsleiter Knut Hennemann, Teamleiterin Karoline Steen und Hauswirtschaftsleiter Bülent Inan wenden.

Von einer Erfahrung, die er nicht missen möchte, spricht auch Benjamin Jurkschat, Mitarbeiter von BIS – Partner für Bildung und Qualifizierung, der einen Monat lang in der Nastättener Borngasse aushalf. Dort waren zwei Bewohner mit Corona infiziert, zogen allerdings nach wenigen Tagen in die Römerstraße um. Trotzdem stand auch die Borngasse unter Quarantäne. „Zum einen war es spannend, Einblick in den Wohnbereich zu erhalten“, berichtet Benjamin Jurkschat. „Zum anderen war der Kontakt zu den Menschen eine Bereicherung. Sowohl die Kollegen in der Borngasse als auch die Bewohner waren sehr dankbar für die Unterstützung.“ Er sei mit Respekt an die Aufgabe herangegangen, habe sich aber zu keinem Zeitpunkt unsicher gefühlt, fügt er hinzu. Die ersten anderthalb Wochen seien zwar „superanstrengend“ gewesen: „Was vor allem geschlaucht hat, war diese Kombination aus der für mich neuen Wohngruppen-Erfahrung, dem Tragen der Schutzkleidung und der Flexibilität, die angesichts der schwer vorhersehbaren Situation gefordert war. Aber das hat sich nach kurzer Zeit eingependelt.“ Die Menschen in der Borngasse seien extrem erleichtert gewesen, als die Quarantäne schließlich aufgehoben wurde, erinnert er sich.

In einem sind sich Matina Dubsky, Isabel Schusky, Patricia Dinse und Benjamin Jurkschat  einig: dass es schön wäre, wenn sich noch mehr Kolleg*innen bereit erklären würden, im Quarantänebereich zu unterstützen. Denn daran bestand und besteht auch in anderen Wohngruppen der Stiftung Scheuern Bedarf. „Sehr viele Menschen haben offensichtlich Angst, uns zu helfen“, beobachtet Matina Dubsky. „Aber wenn man Schutzkleidung trägt und auch sonst vorsichtig ist, kann eigentlich nichts passieren.“