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Aktuelles

Jahresfest war so bunt wie die Menschen, die in der Stiftung Scheuern leben und arbeiten


Vielfältig wie die Menschen selbst hat die Stiftung Scheuern ihr Jahresfest gefeiert. Unter dem Motto „Scheuern ist bunt“ warb die Einrichtung für Toleranz und Vielfalt. Zugleich stellte sie ihr breites Spektrum an Angeboten für Menschen mit Beeinträchtigungen vor.

Eingeläutet wurde der Festtag mit einem Gottesdienst im voll besetzten Versammlungsraum. Nach der Lesung des Gleichnisses vom Festmahl aus dem Lukas-Evangelium griff Pfarrer Gerd Biesgen das Festmotto auf. „Wir Menschen hier sind vielfältig und bunt. Nicht schwarz-weiß, nicht richtig oder falsch“, sagte der Theologische Vorstand der Stiftung Scheuern.

„Wir sind mehr als 1200 Mitarbeitende, etwa 600 Bewohnerinnen und Bewohner – das bedeutet: Dutzende von Nationalitäten und religiösen oder weltanschaulichen Meinungen und Bindungen“, machte Pfarrer Biesgen deutlich. „Darum stehen wir für ein christliches, also ein respektvolles, menschliches und demokratisches Miteinander.“ Die Stiftung lehne jede Form von Gewalt, Diskriminierung und Extremismus ab. „Haltungen und Ideologien, die Menschen abwerten, ausgrenzen oder die Würde, Freiheit und Gleichberechtigung anderer verletzen, sind mit unseren Werten nicht vereinbar.“ Er appellierte: „Hört auf damit, eure Mitmenschen gedanklich in Schubladen zu stecken.“ Veranschaulicht wurde das Thema durch ein Anspiel der Theatergruppe; der Evangelische Posaunenchor Nassau gestaltete den Gottesdienst musikalisch.

Bunt war auch das Angebot an Infoständen, an Mitmachaktionen und an Produkten der Werkstätten. Erstmals wurden Führungen durch unterschiedliche Wohnangebote der Stiftung Scheuern angeboten. Rund 100 Menschen nutzten die Gelegenheit, sich über besondere Wohnformen für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung aus erster Hand zu informieren. Auch die Werkstätten, der Berufsbildungs- und Integrationsservice sowie die mobilen Assistenzen stellten sich den Gästen vor. Gleich mehrere Angebote für Menschen mit erworbener Hirnschädigung waren mit Ständen vertreten, zum Beispiel die neue Anlauf- und Beratungsstelle der Inklusa gGmbH sowie die Kooperation mit dem Diakoniewerk Friedenswarte unter dem Namen Particura.

Viel Anklang fanden der Infostand der Tagesförderstätte, die die noch junge Naturwunder-Gruppe vorstellte. Dieses Angebot findet ganzjährig unter freiem Himmel statt und gibt Menschen mit hohem Bewegungsdrang und herausforderndem Verhalten einen Rahmen, der ihren Bedürfnissen Rechnung trägt.

Weil die Förderung, Betreuung und Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigung ohne finanzielle Grundlagen nicht leistbar ist und in der Politik über Einschnitte diskutiert wird, setzten viele Festgäste ein Statement. Für ein gemeinsames Foto hielten sie Schilder mit der Aufschrift „Nicht am Menschen sparen“ in die Höhe. Damit beteiligten sie sich an einer Protestaktion des Bundesverbands evangelische Behindertenhilfe, der sich gegen Kürzungen wendet.

Hohe Aufmerksamkeit zogen die Mitmachangebote und die Produkte der Werkstätten auf sich. Schon optisch ein Schmuckstück war der Stand der Kreativwerkstatt mit Ketten, Kerzen und Deko-Artikeln. Nützliches aus Holz boten die Schreiner zum Beispiel in Form von edlen Schneidbrettern sowie Nist- und Fledermauskästen. Eine viel gefragte Köstlichkeit war der selbst geschleuderte Honig der Rehagruppe für Menschen mit erworbener Hirnschädigung aus dem Nassauer Neuzebachweg. Ob Rolli-Führerschein, Halsketten, temporäre Tattoos oder kunterbunte Schlüsselanhänger – die Besucherinnen und Besucher konnten auf vielfältige Weise selbst aktiv werden. Passend zum Festmotto „Scheuern ist bunt“ gab es zudem Postkarten zum Ausmalen, die mit einer eigens für das Jahresfest gestalteten Briefmarke an Freunde und Bekannte verschickt werden konnten. 

Viele Menschen sitzen auf Bierbänken und an Tischen auf einer Wiese. Einige halten Schilder mit einem roten X hoch.

Auf dem Jahresfest halten Gäste Schilder mit der Aufschrift "Nicht am Menschen sparen" hoch. Sie beteiligen sich damit an einer Aktion des Bundesverbands evangelische Behindertenhilfe.