Elke Breng wurde 1944 während der Zeit des Nationalsozialismus geboren und wuchs in einer Epoche auf, in der Menschen mit Behinderungen entrechtet, ausgegrenzt und verfolgt wurden. Seit ihrem dritten Lebensjahr lebt Elke Breng in der Stiftung Scheuern. In den ersten Nachkriegsjahren war der Alltag – wie in vielen Einrichtungen dieser Zeit – noch von Strenge und mangelnder individueller Förderung geprägt. Trotz dieser schwierigen Voraussetzungen hat sie sich eine bemerkenswerte Lebensfreude, einen starken Willen und eine große Empathie bewahrt und nutzt diese, um sich für andere einzusetzen.
Seit vielen Jahrzehnten engagiert sich Elke Breng in vielfältiger Weise innerhalb der Stiftung Scheuern für Menschen mit Behinderungen. Sie unterstützt Mitbewohnerinnen und Mitbewohner, begleitet sie im Alltag und ermöglicht ihnen durch gemeinsame Besuche von Veranstaltungen und Freizeitaktivitäten sowie Unterstützung bei Einkäufen mehr gesellschaftliche Teilhabe.
Besonders verbunden ist sie einer Reha-Gruppe für Menschen mit erworbener Hirnschädigung, die sie regelmäßig besucht und in der sie den Betroffenen Zeit, Aufmerksamkeit und Trost schenkt. Elke Breng setzt sich dafür ein, dass Menschen mit Behinderungen nicht übersehen werden. Ihre Hilfsbereitschaft zeigt sich auch in ihrer finanziellen Unterstützung: Obwohl sie selbst nur eine kleine Rente erhält, spendet sie regelmäßig einen Teil ihrer Einkünfte zugunsten von Menschen mit Behinderungen. Damit macht sie deutlich, dass bürgerschaftliches Engagement weder von formaler Bildung noch von Status oder materiellem Wohlstand abhängt.
Neben ihrem sozialen Einsatz ist Elke Breng als Künstlerin tätig. Ihre farbenfrohen Werke in Acryl oder mit Filzstiften ausgeführt – insbesondere Porträts von Menschen und Tieren sowie Naturmotive – spiegeln ihre Lebensfreude, ihre Erfahrungen und ihre besondere Sicht auf die Welt wider. Sie holt sich Anregungen und genaue Vorstellungen für ihre Motive unter anderem aus Magazinen und Zeitschriften, malt sie dann aus dem Kopf nach, verändert sie und verleiht ihnen dabei ihre persönliche Note. Im Jahr 2024 war sie die erste Künstlerin der Stiftung Scheuern, die mit einer Einzelausstellung außerhalb der Einrichtung auftrat: In der evangelischen Regionalvertretung in Nassau wurden zwölf ihrer Bilder präsentiert, die von der Öffentlichkeit sehr positiv aufgenommen wurden.
Bei der Aushändigung der Landesverdienstmedaille hob SGD-Nord-Präsident Wolfgang Treis Elke Brengs Engagement für gelebte Inklusion hervor. Durch ihre Warmherzigkeit, ihre Solidarität und ihr künstlerisches Schaffen gebe sie vielen Menschen Mut und sei ein Vorbild für gelebte Menschlichkeit und Zusammenhalt.
An der Feierstunde nahmen Weggefährtinnen und Weggefährten von Elke Breng teil, zum Beispiel Maria Metzger und Anne Ziegert (beide Stiftung Scheuern) sowie Tier-Therapeutin Stefanie Bartsch. Die Anregung zur Verleihung der Landesverdienstmedaille geht auf die gesetzliche Betreuerin Stefanie May zurück, die bei der Veranstaltung ebenfalls anwesend war. Die Stiftung Scheuern wurde offiziell vertreten durch den Theologischen Vorstand Pfarrer Gerd Biesgen. Außerdem wohnten der Verleihung die Vertreter des Rhein-Lahn-Kreises (Landrat Jörg Denninghoff), der Verbandsgemeinde Bad Ems-Nassau (Bürgermeister Uwe Bruchhäuser) und der Stadt Nassau (Stadtbürgermeister Manuel Liguori) bei.
