Derzeit leben in dem Wohnhaus 21 Menschen, drei Plätze sind aktuell frei. Die Erwachsenen sind zwischen 19 und 64 Jahren alt und haben bei verschieden starken Beeinträchtigungen unterschiedlich hohen Assistenzbedarf. Dennoch ist es für alle das gemeinsame Ziel, ihr Leben möglichst selbstbestimmt und selbstständig zu gestalten. Eine entsprechende Ausrichtung hat auch das pädagogische Konzept des Hauses und die tägliche Arbeit mit den Menschen dort, erklärten Saggese und Lunkenheimer den Besuchern. Es geht dabei um Mitbestimmung und Mitmachen im Rahmen der individuellen Möglichkeiten. Die Bewohnerinnen und Bewohner entscheiden zusammen, was gegessen wird, welche Freizeitangebote gemacht werden und wie das Zusammenleben gestaltet wird. Sie übernehmen viele Aufgaben selbst und werden dort unterstützt, wo es nötig ist. So können sie ihre Fähigkeiten nutzen und verbessern, selbstständiger werden und das ausbauen, was sie gut können. Neben der Hilfe im Alltag den 21 Bewohner*innen und den 27 Mitarbeitenden auch andere Dinge wichtig: Kontakte zu anderen Menschen haben, am Leben in der Gemeinschaft teilnehmen und einen geregelten Tagesablauf haben. Das gibt Halt und sorgt für ein sicheres Gefühl zuhause zu sein.
Letzteres spürten auch die weiteren Gäste von der CDU, Bürgermeister Johannes Lauer, Fraktionsvize Günter Groß und Kreistagsmitglied Dennis Maxeiner, die von der freundlichen Stimmung im Haus, der Stärkung der Eigenverantwortlichkeit und dem respektvollen Umgang miteinander positiv beeindruckt waren. Entsprechend bedankten sie sich für die interessanten Einblicke und freuten sich über den offenen Austausch. So stellte Jens Güllering fest: „Dieses Engagement verdient Anerkennung und Unterstützung.“ Andreas Birtel, Landtagsabgeordneter für die Region um Lahnstein, schloss sich an: „Die Mitarbeitenden leisten einen wichtigen Beitrag dazu, dass Menschen mit Behinderungen möglichst selbstbestimmt leben und ihre Fähigkeiten entfalten können. Die Einrichtung zeigt eindrucksvoll, wie Inklusion und Teilhabe im Alltag gelebt werden.“
Die Besucher hatten die Vorteile schnell erkannt. Dennoch stellte sich auch hier die Frage, wie sich die Finanzierungsseite solcher Wohnformen für Menschen mit Behinderung darstellt. Saggese und Lunkenheimer erläuterten diese im Grundsatz und auch speziell mit Blick auf die Anforderungen, die es seit der Einführung des Teilhabegesetzes auf Bundesebene gibt. Finanzierung in der Eingliederungshilfe ist ein komplexes Konstrukt, das den Leistungsempfänger, also den Menschen mit Behinderung in seinem individuellen Unterstützungsbedarf, im Blick hat. In der Folge gibt es also keinen „Festbetrag pro Heimplatz und Bewohner“, sondern das Land Rheinland-Pfalz und damit die Kommunen wie Städte und Kreise sind Träger der Maßnahmen zur Teilhabe und für Assistenzleistungen. Diese Vergütungssätze werden zwischen den Leistungserbringern, den Einrichtungen der Behindertenhilfe, und dem Land bzw. der Kommune verhandelt. Mittel beispielsweise für Wohnraum kommen aus der Grundsicherung bzw. der Sozialhilfe als zwar staatlich gesetzes, aber in der Durchführung beim Land angesiedelte Unterstützung, was in der Praxis für alle Beteiligten bisweilen schwierig zu verstehen und zu bezahlen ist. Gerade bei der Kostenübernahme im Pflegebereich, ebenfalls ein Bundesgesetz, das im Land umgesetzt werden muss, zeichne sich großer Reformbedarf ab, so Lunkenheimer. Zudem seien die Schnittstellen in der Bundes-Gesetzgebung zwischen Eingliederungshilfe und Pflege unscharf.
Die Gespräche und Eindrücke beim Besuch der CDU-Kreistagsfraktion zeigten, wie wichtig gute Wohn- und Unterstützungsangebote für Menschen mit Behinderungen sind. Sie helfen dabei, dass Menschen mit Behinderungen am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Außerdem wurde klar, dass diese Angebote auch in Zukunft weiterentwickelt werden müssen hinsichtlich weiterer Förderung von Inklusion wie auch deren angemessener finanzieller Ausstattung.
