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Auf der Suche nach einem Beruf mit Zukunft?


Einunddreißig – hinter dieser im ersten Moment eher nichtssagenden Zahl verbirgt sich für die Stiftung Scheuern ein wichtiger Anlass zur Freude. So viele Azubis sind bei der in Nassau ansässigen Einrichtung der Behindertenhilfe in diesem Jahr in ihre Ausbildung gestartet – ein Rekord, denn so zahlreich vertreten waren die Auszubildenden hier noch nie.

Zufall?

„Mit Sicherheit nicht“, stellt Antje Koch-Gellermann, die Leiterin des Personalmanagements, klar: „Es ist nicht zuletzt auch eine Folge der Corona-Krise, dass viele junge Menschen auf der Suche nach sinnstiftenden Berufen sind und diese häufig im sozialen Bereich finden. Da gehört die Arbeit mit Menschen mit Behinderung ganz oben mit dazu.“ Ähnliches gelte, auch unabhängig von Corona, für eine größer werdende Zahl von Menschen, die bereits Erfahrung in einem erlernten Beruf gesammelt haben, damit aber nicht wirklich zufrieden sind und nach einer für sinnvoller erachteten Alternative suchen.

So erging es auch Ines Christ. Die Diplom-Biologin arbeitete über 15 Jahre lang im Labor und merkte dabei immer mehr, dass sie beruflich eigentlich viel lieber mit Menschen zu tun haben wollte. Inzwischen ist die 53-Jährige im Tagesförderstättenbereich der Stiftung Scheuern tätig – und ergreift jetzt die Chance, eine berufsbegleitende Ausbildung zur Erzieherin zu machen.

Übrigens: Die Stiftung Scheuern zahlt Azubis, die das berufsbegleitenden Angebot in Anspruch nehmen, auch für die Schultage Gehalt, was man durchaus als Alleinstellungsmerkmal bezeichnen kann.

 „Vielen unserer Seiteneinsteiger wird bewusst, dass die Arbeit noch interessanter ist, wenn sie sich als Fachkraft qualifizieren und zusätzlich Verantwortung für den umfassenden Betreuungsprozess übernehmen können“, beobachtet Antje Koch-Gellermann. Eine Aussage, die Kristin Hiller bestätigen kann: Nachdem die gelernte Friseurin zunächst in der Wäscherei der Stiftung Scheuern in Singhofen gearbeitet hatte, wechselte sie zum April 2020 teils in die Wohnschule, teils in eine nahegelegene Wohngruppe und hat jetzt eine Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin begonnen. „Ich möchte meine Tätigkeit auf solidere Füße stellen. Von dem Wissen, das man hier vermittelt bekommt, kann man schließlich nur profitieren“, argumentiert die 23-Jährige, für die bei ihrer Arbeit nicht zuletzt der zwischenmenschliche Aspekt eine große Rolle spielt: „Man bekommt sehr viel Dankbarkeit von den Bewohnerinnen und Bewohnern zurück.“

Was die Stiftung Scheuern ihren Azubis sonst noch zu bieten hat? „Eine enorme Vielfalt. Bei uns sind alle Bereiche der Eingliederungshilfe vertreten“, antwortet Patricia Dinse. Sie ist die Ausbildungskoordinatorin der Stiftung Scheuern – und damit sowohl für die Azubis als auch für deren Praxisanleiter und die beteiligten Fachschulen eine wichtige Ansprechpartnerin. Das Spektrum reicht von den unterschiedlichsten Wohnformen über verschiedene Tagesförderstätten, die Werkstätten und die Berufliche Bildung bis hin zu den Ambulanten Diensten und vielem mehr. Diese Vielfalt spiegelt sich auch in den Ausbildungsplätzen wider: Zahlenmäßig am stärksten vertreten bei den „neuen“ Azubis sind erwartungsgemäß die Heilerziehungspfleger, gefolgt von den Erziehern. Aber auch eine angehende Fachpraktikerin Hauswirtschaft und eine junge Frau, die eine kaufmännische Ausbildung begonnen hat, gehören dazu. Weitere „nicht soziale“ Berufe wie Informatikkaufmann und Anlagenmechaniker für Heizungs-, Sanitär- und Klimatechnik kann man hier ebenfalls erlernen.

Zu den „reinen“ Azubis kommen immer mehr junge Menschen, die bei der Stiftung den praktischen Teil ihres dualen Studiums absolvieren. Andere verbringen hier ihr Anerkennungsjahr oder Freiwilliges Soziales Jahr. Oder, wie Joy Recknagel, ihr Jahrespraktikum: Sie habe schon mehrere Praktika in einer Wohngruppe in Nassau gemacht, erzählt die 17-Jährige: „Das hat mir sehr gut gefallen, weil mir die praktische Arbeit mit Menschen liegt und die Arbeitsatmosphäre toll war.“ Mit dem Jahrespraktikum schafft sie nun eine ideale Grundlage für die geplante Ausbildung als Heilerziehungspflegerin. Damit sei sie bei Weitem kein Einzelfall, verdeutlicht Antje Koch-Gellermann: „Viele der jungen Menschen, die die Stiftung Scheuern im Rahmen eines Ferienjobs oder Praktikums kennen lernen, entscheiden sich, eine Ausbildung hier zu machen.“

Wichtig zu wissen: Jeder Azubi hat seinen eigenen Praxisanleiter, der mit ihm auf derselben Wohn-, Tagesförderstätten- oder Werkstattgruppe arbeitet „Nach Möglichkeit findet alle 14 Tage ein Gespräch für den gemeinsamen Austausch, zur Reflexion und Klärung offener Fragen statt“, berichtet Patricia Dinse, die bei etwaigen Problemen auch selbst in diese Gespräche involviert ist. Apropos Probleme: Die Stiftung Scheuern verfügt über eine eigene Jugend- und Auszubildendenvertretung.

Ein weiteres Argument, mit dem sie Azubis für sich gewinnt, ist die Übernahmegarantie. „Das setzt allerdings ein erfolgreiches Bestehen der Prüfungen voraus“, stellt Antje Koch-Gellermann klar: „Jedoch sind die Noten nicht das allein ausschlaggebende Kriterium. Wer in der Schule nicht so gut war, sich in der Praxis aber hervorragend bewährt hat, bekommt auf jeden Fall trotzdem eine Chance.“ Keine Frage: Die Stiftung Scheuern ist ein familienfreundlicher Arbeitgeber. „Zum Beispiel bieten wir jungen Müttern oder Vätern, die kleine Kinder zu betreuen haben, nach Möglichkeit Ausbildungsplätze an, bei denen sie nicht im Schichtbetrieb arbeiten müssen“, sagt Patricia Dinse, die nicht zuletzt auch die Ausbildungsvergütung als Argument anführt. Diese reicht von 1200 Euro im ersten bis zu 1400 Euro im dritten Ausbildungsjahr.

Groß, aber keineswegs unpersönlich – so könnte man die Stiftung Scheuern als Arbeitgeber vielleicht am ehesten beschreiben. „Die Azubis arbeiten praktische Projekte aus, in die sie persönliche Talente und Interessen mit einbinden können“, nennt Patricia Dinse ein Beispiel, und Antje Koch-Gellermann fügt hinzu, das gelte selbstverständlich auch für den „normalen“ Dienst: „Im Arbeitsablauf finden sich immer wieder Phasen, in die man sich kreativ mit seinen besonderen Fähigkeiten einbringen kann. Das steigert die Zufriedenheit mit der beruflichen Tätigkeit.“