Geschichtsüberblick

1850 Der evangelische Kaplan Burchardi und Dorflehrer Reichard gründeten 1850 inspiriert durch Johann Hinrich Wicherns (1808-1881) Aufruf zur Inneren Mission auf dem Wittenberger Kirchentag (1848) in Hömberg bei Nassau ein „Rettungshaus für verwahrloste streunende Buben“, das von einem Erziehungsverein getragen wurde.
1851 Umzug in das Schloss Langenau bei Obernhof.
1855 Umzug in das "Schlösschen" im Dorf Scheuern bei Nassau.
1869/70 Umwandlung in ein Heim für Menschen mit geistiger Behinderung.
1891 Veränderung der Finanzierung: Die neu gebildeten Landesfürsorge-Verbände übernehmen die Kosten für alle Bewohner, die kein eigenes Vermögen haben und deren Angehörige die Pflegekosten nicht tragen können. Alles weitere wird wie zuvor über Spenden finanziert.
1931 Die Einrichtung gliedert sich in 4 Bereiche: „Bildungsanstalt für geistig zurückgebliebene und epileptische Knaben und Mädchen“ Heim für schwer erziehbare Jungen und Mädchen Pflegeheim für ältere Menschen mit Behinderungen Gesundheitsfürsorge für Kinder
1933 Der Nationalsozialismus verändert das Leben in den Heimen Scheuern. Viele Bewohnerinnen werden zwangssterilisiert.
1941 481Bewohnerinnen und Bewohner werden nach Hadamar, Pirna-Sonnenstein oder in andere Tötungsanstalten des „Euthanasie“-Mordprogramms der Nationalsozialisten gebracht. Damit war „Platz geschaffen“, um Scheuern zur „Zwischenanstalt“ für die Tötungsanstalten zu nutzen.
bis 1945 Insgesamt war Scheuern für fast 1500 Menschen die letzte Station auf dem Weg in den Tod.
1947 Die Bindung an die Evangelische Kirche wird erneuert. Die „Fürsorgeerziehung“ Minderjähriger wird neuer Schwerpunkt.
1956 Einweihung der Wichernschule als Sonderschule für Lernbehinderte. Mit 430 Schülern war sie die größte Heim-Sonderschule in Rheinland-Pfalz. Gesetzliche Verordnungen sichern die Rahmenbedingungen für die Betreuungsarbeit in den Heimen (z.B. Heimgesetz).
1960er / 70er Neben der traditionellen Mitarbeit von Bewohnerinnen und Bewohnen in den verschiedenen Arbeitsfeldern der Einrichtung werden "Beschützende Werkstätten" aufgebaut.
1970er Jahre Neubau des Kirch- und Versammlungsraums, Umbau des ehemaligen „Betsaals“ zur Gaststätte „Orgelpfeife“
1973 Aufgrund des landesweit aufgebauten Sonderschulnetzes kommen weniger Jugendliche mit Lernbehinderungen in die Heime Scheuern. In Abstimmung mit den zuständigen Landesbehörden wird die Lebensbegleitung praktisch bildbarer und schwerstbehinderter Menschen neuer Schwerpunkt.
1982 Einweihung des Werkstatt-Gebäudes der Langauer Mühle.
1987 Eröffnung der Tagesförderstätte.
1992 Schließung der Wichernschule.
1994 Einweihung der neu errichteten Zweigwerkstatt in Singhofen.
1997 Unter Weiterentwicklung der Wohnangebote ziehen die ersten Bewohner aus Wohngruppen aus und leben weitgehend selbstständig in eigenen Wohnungen.
2000 Die „Wohnschule“ wird eingerichtet. Hier werden Kompetenzen für eine weitgehend selbstständige Lebensführung vermittelt. Einweihung des Mahnmals „Damit wir nicht vergessen“ für die Opfer der nationalsozialistischen Euthanasieverbrechen im Rahmen des 150-jährigen Jubiläums. Zum Mahnmal wird die Dokumentation „Vergiss mich nicht und komm“ erstellt.
2002 Arbeitsplätze im Berufsbildungs- und Berufsförderbereich werden ausgebaut.
2004 Umbau des Wichernhauses, des ehemaligen Schulgebäudes, beginnt.
2006 Einweihung des Wichernhauses. Hier werden 20 Menschen mit Schwerstmehrfachbehinderung und 11 weitgehend selbstständig lebende Bewohner ein neues Zuhause finden. Der Psychologisch-heilpädagogische Fachdienst sowie ein weiterer Förderbereich der Tagesförderstätte finden hier ebenfalls neue Räumlichkeiten.
2007 Rollstuhlgerechter Um- und Ausbau der Begegnungsstätte „Orgelpfeife“ Umbau und Neuanlage der Außenanlagen zwischen Tagesförderstätte und Wichernhaus

Die ehemalige Anstalt Scheuern Ende der 1920er Jahre.

Das Mahnmal für die Opfer der Euthanasie.

Die 1982 eröffnete WfbM Langauer Mühle.

Das Titelblatt unserer Festschrift aus dem Jahr 1990 zeigt eine Federzeichnung von Hermann Meyer (1928), wie er sich das Gelände und die Umgebung in vergangenen Zeiten vorgestellt hat.